DLV-Lauf-Oldies erinnern sich gemeinsamer Wettkämpfe und Erfolge

11. Oktober 2016 | by val
DLV-Lauf-Oldies erinnern sich gemeinsamer Wettkämpfe und Erfolge
Allgemein
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Wolf-Dieter Poschmann war beim Treffen der ehemaligen DLV- Langstreckler im Eintracht-Sportzentrum in Dortmund ein gefragter Gesprächspartner. Ende des Monats beendet der Leichtathletik-Experte, der zuletzt bei den Olympischen Spielen in Rio mit seinen spannenden Live-Reportagen ein Millionen- Publikum begeisterte, seine 30-jährige Tätigkeit beim ZDF.

 

Was kommt für ihn danach,  wollten seine ehemalige Langstrecken-Kollegen im Rahmen einer Gesprächsrunde wissen.  Wolf-Dieter Poschmann möchte es nach dem Stress der vergangenen Jahre zunächst etwas ruhiger angehen lassen und die zusätzlich gewonnene Zeit mit seiner Frau genießen: „In bin überall auf der Welt herumgekommen, kenne aber Deutschland noch nicht richtig. So möchte ich mir meinen lang gehegten Wunsch erfüllen, mit einem Wohnmobil quer durch unser Land zu reisen, denn ich bin beispielsweise noch nie auf Usedom, Rügen  oder Sylt gewesen. Auch das Allgäu kenne ich noch nicht richtig. Bei meinen Touren nehme ich dann Laufschuhe, ein Rennrad und einen Golfsack mit. Das wird sicherlich ganz schön lustig werden.“

Über Langweile wird sich der Ex-Langstreckler mit Bestzeiten von 13:35,07 min über 5.000 m und 28:28,64 min über 10.000 m in Zukunft wahrscheinlich nicht beklagen müssen, denn  er wird weiter Studenten unterrichten  und  sich als Moderator bei Laufveranstaltungen engagieren. So hat er beim Paderborner Osterlauf einen „Vertrag“ auf Lebenszeit.

Falls er nach dem Eintritt in seinen Ruhestand  in ein „Loch“ fallen sollte, wird es  für ihn sicherlich mehrere Möglichkeiten geben, dort wieder herauszukommen.  Konkret hat er allerdings noch nichts geplant. Für das ZDF wird der frühere Sportstudio-Moderator jedoch nicht mehr tätig sein, weil er als Festangestellter mit Eintritt in das Ruhealter ausscheiden muss.

Wolf-Dieter Poschmann hat es für sich  als großes Privileg empfunden, in den letzten drei Jahrzehnten von allen Leichtathletik-Großveranstaltungen berichten zu dürfen. Ein Highlight bildete für ihn u.a. der überraschende 800m-Erfolg  von Nils Schumann bei den  Olympischen Spielen in Sydney. Danach war er so ergriffen, dass er kurz nach dem Zieleinlauf sein Mikrophon ausschalten musste. Auch der Sensationssieg von Christoph Harting bei den Olympischen Spielen in Rio wird  ihm aufgrund seiner Dramatik sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.

Wolf-Dieter Poschmann befürchtet, dass auf die Leichtathletik in Deutschland schwierigen Zeiten zukommen. „Es gibt heute eine Fülle von anderen Sportarten, in denen man wesentlich schneller Erfolg haben kann als in der Leichtathletik. Wir haben früher  aufgrund einer vagen Erfolgschance große  Opfer erbracht. Das macht heutzutage niemand mehr. denn wegen der augenblicklichen Arbeitplatzsituation ist das Risiko einfach zu groß.“ Zudem haben seiner Meinung nach die deutschen Langstreckler  gegen die vielen Ostafrikaner, die der soziale Hunger nach vorne treibt, kaum noch eine Chance. Auch bei Europameisterschaften hat sich die Leistungskonstellation  verändert, da einige Afrikaner inzwischen von europäischen Nationen verpflichtet wurden.

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Wolf-Dieter Poschmann beim Fachsimpeln mit Helmut Urbach und Paul Angenvoorth

Wolf Jochen Schulte-Hillen, der vor 50 Jahren zusammen mit Harald Norpoth und Franz-Josef Kemper im  Rahmen der deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Hamm mit 7:01,2 min einen neuen Weltrekord über 3 x 1.000 m aufstellte, macht sich ebenfalls Sorgen um die  Leichtathletik: „Die Leichtathletik-Berichterstattung in den Medien muss wieder positiver werden. Das Doping-Thema nimmt einen zu großen Raum ein und hat keinen Werbeeffekt auf Kinder und Jugendliche.“ Der inzwischen 72-jährige Ex-Mittelstreckler, der noch weltweit bei dem Aufbau von bestimmten Marken  beratend tätig ist,  bemerkte, dass die Marke „Leichtathletik“ in Deutschland  unter der fehlenden Spitze leidet- und das nicht nur bei Olympischen Spielen.  „Wenn beispielsweise bei einem großen Marathon fünf Kenianern mit großem Vorsprung vor dem übrigen Feld laufen, ist das uninteressant für die Zuschauer und demotivierend  für unsere Läuferinnen und Läufer. Wie sollen die sich da noch  nach vorne kämpfen“? fragte Wolf Jochen Schulte-Hillen.  Ohne bessere Förderungssyteme wird seiner Meinung die Kluft im Spitzenbereich immer größer.

Weltspitze ist eine eigene Welt für sich

Der inzwischen 61-jährige Karl Fleschen, der Bestzeiten von 3:36,2 min über 1.500 m bis hin zu 1:13:58 h im 25 km-Straßenlauf hatte, würde sich heute wahrscheinlich nur noch auf die nationale Spitze konzentrieren, weil ihm der Abstand zur Weltelite inzwischen zu groß wäre und man nicht genau weiß, wie die Leistungen dort zustande kommen.

Karl Fleschen fährt jedes Jahr noch zu den deutschen Jugendmeisterschaften. „Dort erlebe ich noch dieselbe Atmosphäre wie vor 40 Jahren. Die ist noch motivierend und bereitet Spaß. Die Weltspitze ist dagegen eine eigene Welt für sich. Da misst sich auch keiner mehr dran. Daher sind die vielen Straßenläufe in Deutschland in erster Linie nur noch Breitensportveranstaltungen.“

Die Spitzenläufer von einst, die sich in Dortmund trafen, sind inzwischen auch ins Breitensportlager gewechselt. „Ich trainiere nicht mehr, sondern laufe nur noch,“ betonte Wolf-Dieter Poschmann. Das Gleiche gilt für  Paul Angenvoorth.  Der  Marathon-Olympia-Teilnehmer 1972 und deutsche Marathonmeister 1976 schnürt noch dreimal in der Woche die Laufschuhe. Seine Ehefrau Manuela, die in den 70ger Jahren ebenfalls zur deutschen Marathon-Elite zählte, ist froh,  nach einer schweren Knieverletzung, die sie sich bei einem Fahrradunfall zuzog, wieder halbwegs schmerzfrei gehen zu können.

Eine beeindruckende Fitness strahlt Karl-Heinz Sievers (74) aus. Der zweifache deutsche Marathonmeister (1966 und 1967) und Olympia-Teilnehmer 1968 ist  mit seiner Frau viel zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs. Darüber hinaus reist der frühere Verkaufs- und Vertriebsleiter gerne und ist Kultur interessiert.

Ganz auf das Rad umgestiegen ist vor über 20 Jahren der frühere deutsche 25 km-Meister Dirk Sander (60), der sogar auch Rennen fährt und dabei in seiner Altersklasse ganz vorne mitmischt.

Mitorganisator Till Lufft mit Hedy Mielke

Mitorganisator Till Lufft mit Hedy Mielke

Karl Mann (68), der eine Marathonbestzeit von 2:17:04 h hat, ist  täglich laufend oder mit dem Fahrrad unterwegs. Der frühere Darmstädter freut sich, dass sein 17-jähriger Sohn Kilian vor kurzem vom  Fußball- in das Leichtathletik-Lager gewechselt ist.

Dieter Brand (72) und Falko Will (68), die völlig schmerzfrei sind, laufen noch regelmäßig. Der Lohn für ihr konsequentes Fitness-Programm. Beide haben noch fast ihr früheres Wettkampfgewicht.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte mit seiner Blech-Gitarre  der blinde Werner Rathert (80), der 1984 beim Berlin-Marathon die klassische Distanz in 2:35:12 min zurücklegte. Auch seine Fitness ist noch bewundernswert, denn er reiste als Nichtsehender alleine von Bleichenrode nach Dortmund an.

Organisiert hatten das Treffen Till Lufft und Peter Middel. Nun hoffen alle Oldies auf eine Fortsetzung. Für ein drittes Meeting soll das vorhandene Adressen-Material erweitert werden. Damit soll der Kreis immer mehr vergrößert werden. denn das Zusammengehörigkeitsgefühl unter Läufern ist beeindruckend. Dies hat das Treffen in Dortmund  gezeigt. (Text und Fotos: Matthias Behrens)

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