EPIC Israel: Mountainbiken in seiner schönsten und spektakulärsten Form

16. Oktober 2016 | by val
EPIC Israel: Mountainbiken in seiner schönsten und spektakulärsten Form
Allgemein
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Mit dem Herbst beginnt für viele Läuferinnen und Läufer nach einer langen Saison die Zeit der Regeneration. Für die meisten aber kein Grund die Füße hoch zulegen, sondern man schaut über den Tellerrand zu anderen Sportarten. Eine beliebte Ausdaueralternative zum Laufen ist dabei das Mountainbiken. Immer mehr Läufer finden Gefallen an dem Sport mit dem Bike durch das Gelände zu sausen und einmal andere Muskelgruppen zu belasten. Eine besondere Empfehlung ist dabei der EPIC Israel. Ein kleiner, aber keineswegs zu unterschätzender Ableger des berühmten EPIC Cape in Südafrika und des Bike Transalp. Die 4. Auflage fand im Frühherbst im Norden Israels in Galiläa statt.

 

Von Dr. Christian Waschke/Jörg Valentin

Der Playtika Epic Israel – so die offizielle Bezeichnung – ist ein einzigartiger und perfekt organisierter Mountainbike-Event. Über drei Tage fahren rund 550 Mountainbiker in 275 Zweierteams durch den Norden von Israel. Das Gelände ist überwiegend hügelig, mitunter auch steil und bietet daher ideale Voraussetzungen für`s Biken. Drei Tage (Mittwochabend: Registrierung; Donnerstag: 1. Renntag, Freitag: 2. Renntag, Samstag: 3. Renntag und Abreise) stehen dabei ganz im Zeichen dieses Events.

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Start frühmorgens beim Sonnenaufgang

An allen drei Tagen ist der Start an einem zentralen Punkt, dem sogenannten „Renn-Hotel“ (diesmal: das Galilion-Hotel in Galiläa, an der Nationalstraße 90 (http://www.galilion.co.il – Koordinaten: N33.114772; E35.573684). Die Routen führen über die verschiedenen Höhenzüge in der Umgebung. Das bedeutet, dass ein Renntag typischerweise mit einer Anfahrt von 15 bis 20 km beginnt, bevor der erste signifikante Anstieg zu bewältigen ist. Die gleiche Strecke ist auch auf dem Rückweg zu fahren. Teilweise sieht man bereits aus der Entfernung die hoch aufragenden Fahnen am „Renn-Hotel“ und glaubt sich bereits in Kürze am Ziel. Die letzten Kilometer ziehen sich aber dann noch hin, wobei die Anstrengung der bewältigten Renn-Kilometer, als auch ein im Verlauf des Tages starker Gegenwind, die letzten Meter sehr anstrengend machen können.

Am ersten Renntag galt es eine Strecke von 98 km mit einem Gesamtanstieg von 1.480 Höhenmetern zu bewältigen. Das Zeitlimit für die Strecke lag bei 10 h, wobei die meisten Fahrer weit vor diesem Limit bereits wieder im Ziel waren. Auch Hobbyfahrer mit solider Kondition und etwas technischer Erfahrung sind in der Lage das Rennen mitzufahren und in der vorgegebenen Zeit zu beenden. Wobei die schnellsten Mountainbiker bereits nach knapp über 3:30 h wieder im Ziel waren. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nicht ganz 28 km/h.
Aber das spielt für die meisten der Pedaleure ohnehin keine Rolle. Für diese Biker zählen nicht der Sieg, sondern einzig das Dabeisein und das Finishen.

Die Route des ersten Rennens führt zunächst nach Süden entlang des Jordans. Anschließend geht es nach Westen zum Ramot Naftaly Bergrücken. Ab diesem Punkt geht es mehr oder weniger stetig über die nächsten 40 km bergan. Die Steigung variiert dabei von einem angenehm zu fahrenden Anstieg über sehr steile Passagen, die nur im kleinsten Gang zu bewältigen sind. Wichtig ist, dass man sich auf der ersten Hälfte nicht zu sehr verausgabt, um noch genügend Reserven für den Rückweg zu haben. Es lohnt sich trotz der schweißtreibenden Strapazen, den Blick auf das benachbarte Jordantal zu werfen und die einzigartige Szenerie in sich aufzunehmen.

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Crosscharakter bei einer Flußdurchquerung

Die zweite Hälfte des ersten Renntages gestaltet sich dagegen viel angenehmer als der erste Teil. Große Teile der Strecke führen durch Wälder, die bei Temperaturen um 30° C angenehmen Schatten spenden. Die benutzen Single-Trails (Mountainbike-Trails mit einer Breite von etwa einem Meter) wurden speziell für Mountainbiker angelegt. Hier unterstützt die israelische Forstbehörde die Interessen der Mountainbiker und beteiligt sich an einem landesweiten Projekt, einen durchgehenden Mountainbike-Trail durch ganz Israel anzulegen. Ein großer Teil (rund 250 km, Stand Herbst 2016) ist bereits im Süden des Landes realisiert und kann durchgängig befahren werden. Darüber hinaus sind auch einzelne Strecken in Galiläa fertig, die bei EPIC Israel befahren werden. Dieser Trail ist einheitlich markiert und zwar mit einem schwarzen Fahrrad auf einem gelben Regentropfen, dessen Spitze in die zu fahrende Richtung zeigt.

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Downhill mit Abstand, um Karambolagen zu verhindern

Die restliche Strecke führt wieder über Feld- und Wirtschaftswege zum Hotel zurück. Die steinigen Wege, die zum Teil mit dickem Staub bedeckt sind, in Verbindung mit dem mitunter böigen Wind, fordern bis zuletzt höchste Konzentration als auch die letzten Kraftreserven.

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Teamarbeit ist gefragt. Hier auf einem Flachstück am Jordan

Der Start zum ersten Renntag ist um 7:00 Uhr. Der zweite Renntag dagegen verspricht noch einmal um einiges anstrengender und länger zu werden. Um die kühlen Morgenstunden zu nutzen, beginnt der zweite Renntag noch früher. Um 6:30 Uhr heißt es: Fertig zum Start. Um diese Jahreszeit ist es um 6:00 Uhr noch stockdunkel, aber zum Start ist es bereits ausreichend hell, um ohne zusätzliche Lichtquellen direkt losfahren zu können.

Die zweite Etappe wird im Wesentlichen an den westlichen Hängen der Golanhöhen ausgetragen. Wie üblich findet der Start am „Renn-Hotel“ statt und führt über Feld- und Wirtschaftswege Richtung Osten. Dabei werden landwirtschaftlich genutzte Felder durchfahren. Der Weg führt auch an Zitronen- und Granatapfelplantagen vorbei. Dabei überrascht die Gegend immer wieder durch ihre einzigartige Vielfältigkeit. Gerade fährt man noch über einen staubigen Weg und nach der nächsten Kurve erreicht man einen Flusslauf, der mit klarem und kühlem Wasser gefüllt ist und leise rauschend Richtung Jordan fließt. Der zweite Renntag sieht auch zwei Flussdurchquerungen vor, wobei die erste mit etwas fahrerischem Geschick ohne abzusteigen bewältigt werden kann. Die zweite Flussdurchquerung, im letzten Drittel der Strecke, muss aber durchlaufen werden, da die Böschungen zu steil sind. Dabei nutzten einige Mountainbiker die willkommene Gelegenheit, sich ein kurzes kühles Bad zu genehmigen. Sicherlich ist die Abkühlung bei einigen der Pedaleure auch nicht ganz freiwillig.

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Rindviecher leben auf der Strecke „gefährlich“

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Eine Berg ist geschafft…

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Profis und Amateure zusammen am Start. Hier die Top-Tenplatzierten aus Südafrika

Der eigentliche Anstieg des Tages beginnt aber nach der ersten Flussdurchquerung. Auf einer Strecke von etwa 11 km sind insgesamt 750 Hm zu bewältigen, bis man die westliche Seite des Golan erreicht. Entschädigt wird man auch hier durch einen einzigartigen Blick über das sich dahinschlängelnde Jordantal, wobei man in der Ferne bis zum See Genezareth blicken kann.

Auf dem höchsten Punkt der Tageswertung befindet sich die zweite Verpflegungsstation, die von allen Mountainbikern sehnlichst erwartet wird. Anschließend geht es über steinige Wege wieder bergab. Die Landschaft wird im Wesentlichen durch Viehzucht geprägt, sodass man sich den Weg gelegentlich mit Rindviechern teilen muss, die gemütlich die Strecke queren und teilweise recht erstaunt den vorbeifahrenden Mountainbikern nachblicken. Der zweite Renntag geht mit einer Strecke von 30 km zu Ende, die mehr oder weniger flach ist und zum Ausgangspunkt zurückführt. Dabei werden auch Fahrradwege und kleinere Nebenstraßen genutzt, sodass die Geschwindigkeit zum Ende des zweiten Renntags recht hoch ist. Aufgrund einer Streckensperrung und des damit verbundenen Umwegs betrug die Distanz satte 110 km mit einem Anstieg von 1.850 Hm. Aufgrund der außergewöhnlichen Streckenführung wurde das Zeitlimit für den zweiten Renntag auf 11 h hochgesetzt, soviel, wie bisher bei keinem Renntag bei EPIC Israel. Die schnellsten Fahrer des Tages sind nach knapp unter 4:30 h wieder im Ziel. Das entspricht einem Durchschnitt von etwa 24,5 km/h.

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Volle Konzentration auf der Strecke

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Deutliche Markierungen geben den Weg vor

Der dritte Renntag beginnt wieder um 6:30 Uhr. Diese Mal stehen zum Etappenabschluss noch weitere 62 km mit 1.350 Hm auf dem Plan. Die Strecke führt wieder in die gleiche Gegend, die bereits beim ersten Renntag das Ziel war. Dieses Mal aber wird der nördlichste Teil der Bergkette direkt an der Grenze zum Libanon befahren. Besonders fallen die einzigartigen Single-Trails auf, die sich im Schatten der Wälder im Bereich von Kfar Giladi befinden. Diese Trails wurden speziell für Mountainbiker eingerichtet und laden jeden begeisterten Hobby- als auch Profimountainbiker zu einem Urlaub in dieser Gegend ein.
Im Zuge dieser Single-Trails kommen auch Downhill-Spezialisten auf ihre Kosten. Die Strecke führt über teilweise recht steile Passagen wieder bergab. Im Gegensatz zu den Tagen zuvor, folgt die Strecke der Hügelkette bis fast zum Ausgangspunkt zurück, wobei nur die letzten 10 km recht flach sind. Die schnellsten Fahrer sind bereits nach 2:30 h wieder im Ziel. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nicht ganz 25 km/h.

Das „Renn-Hotel“ Galilion-Hotel in Galiläa eignet sich dabei hervorragend als Ausgangpunkt für EPIC Israel. Es liegt zentral mitten im Jordantal. Feld- und Wirtschaftswege machen es möglich, die umliegenden Berge ohne großartige Berührungen mit dem Straßenverkehr zu erreichen. Dieses Hotel eignet sich auch sehr gut zur Beobachtung der einheimischen und durchziehenden Vogelwelt. Im nahegelegenen Naturschutzgebiet, dem Hahula See, legen Zugvögel, wie Kraniche und Störche im Herbst und Frühling stets eine Rast ein. Zum Zeitpunkt von EPIC Israel 2016 Ende September Anfang Oktober waren bereits die ersten Kraniche vor Ort. Gegen Mitte bis Ende Oktober, während des Höhepunktes des Vogelzugs, ist der Himmel voll mit Vögeln, sodass Ornithologen und Vogelbeobachter aller Art auf ihre Kosten kommen.

Amir Halevi, Generaldirektor des Ministeriums für Touristik in Israel, sieht die Entwicklung positiv: „Wir sind auf einem guten Weg. Mit den angelegten Trails finden Biker bei uns ideale Voraussetzungen für ihren Sport“.

Mountainbike-Profi Martin Gluth (Gesamtzweiter mit seinem israelischen Partner Shlomi Haimi):„Das Niveau der Trails ist schon spektakulär. Die Mischung aus Staub, Hitze und Steinen aller Art macht das Spektakuläre aus. Man darf sich keine Unkonzentriertheit leisten, sonst ist ein Sturz nicht zu verhindern. Israel ist auf dem besten Wege sich zu einem Mountainbike-Paradies zu entwickeln“.

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Nur im Team kann man die Strapazen bei EPIC Israel meistern

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Das heiß begehrte Finisher-Trikot von EPIC Israel

Initiator und Begründer von EPIC Israel: Die dreitägige Mountainbike-Challenge geht auf eine Idee von Giora Tsachor zurück. Der begeisterte Mountainbiker mit der Liebe zum Sport und der Natur konnte seinen Traum allerdings nicht mehr selbst verwirklichen. Giora Tsachor kam bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Sein Sohn Gal hat dem Wunsch seines Vaters vor vier Jahren Rechnung getragen und gegen viele Widerstände und Bedenken umgesetzt und immer weiter perfektioniert. EPIC Israel ist mittlerweile für viele Mountainbiker aus dem In- und Ausland zu einem festen Fixpunkt im Terminkalender geworden. Die Mischung aus spektakulären Trails und einer beeindruckenden Landschaft macht den besonderen Reiz der Veranstaltung in Israel aus.

EPIC Israel:

1.Üppiger technischer Service im Zielbereich (Ersatzräder und Material können gestellt werden)

2.hochwertiges Finishertrikot (- und nur für diese), Medaille und Finisherurkunde

3.Streckensicherung auf der gesamten Route

4.Startnummernsatz

5.professionelle Zeitnahme mittels Transpondern

6.Roadbook

7.Streckenverlauf wird bis zum Renntag geheim gehalten (nur Höhenprofile veröffentlich), um Chancengleichheit zu gewährleisten

8.Frühstück und Abendmahlzeiten (Buffet)

HINWEIS: Wer nicht sein eigenes Bike mitbringen will oder kann, kann sich auch qualitativ hochwertige Bikes vor Ort ausleihen

Nächster Termin: 14.-16.09.2017 Start- Zielort und Route werden erst 2017 bekannt gegeben

Teilnehmergebühren: ca.450 € ohne Extras bei der Übernachtung

Infos: http://www.epicisrael.org.il/en

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Freude nach der Zieldurchfahrt nach drei harten Bike-Tagen

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Mountainbike-Profi Martin Gluth rechts im Bild (Gesamtzweiter mit seinem israelischen Partner Shlomi Haimi)

Ergebnisse: http://www.epicisrael.org.il/?section=261&pnum=425&pnme=

LAUFZEIT&CONDITION-TIPP: EPIC ISRAEL ist eine Reise absolut wert!

Fotos:

Dr. Waschke (7)

Jörg Valentin (3)

Ronen (2)

Tomer (2)

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