Streckenrekord zum 40.Jubiläum beim Tiberias-Marathon 2017

15. Januar 2017 | by val
Streckenrekord zum 40.Jubiläum beim Tiberias-Marathon 2017
Marathon
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Der Tiberias-Marathon am See Genezareth in Israel ist ein Marathon mit einer großen Tradition. Der älteste Marathon im Heiligen Land war bisher den meisten unter dem Namen Tiberias-Marathon bekannt. Jetzt haben sich die Organisatoren entschlossen, den Namen der traditionsreichen Veranstaltung in „Sea of Galilee-Marathon“ zu ändern. Ziel der Macher von Marathon Israel ist es, den Marathon international besser vermarkten zu können.

Von Dr. Christian Waschke/Jörg Valentin

Die sportliche Bedeutung dieses Marathons wird mit der vorgenommenen Namensänderung in keinster Weise geschmälert und wenn sich der Bekanntheitsgrad mit dieser Maßnahme erhöht, kommt das sicher auch den sportlichen Belangen entgegen. Jetzt durfte man in Tiberias schon das 40. Jubiläum des sportlichen Treffens feiern.

Drei einzigartige Aspekte dieses Laufes bleiben nach wie vor erhalten und zeichnen ihn gegenüber allen anderen Marathonveranstaltungen weltweit aus:
Zum Ersten ist dieser Marathon der erste internationale Marathon des Jahres. Er wird jeweils am ersten Freitag im Januar veranstaltet und bietet Sportlern die Gelegenheit, bereits ganz früh in der Saison eine offizielle Marathonzeit zu laufen.

Tiberias Marathon 2017

Start zum Tiberias Marathon 2017 um 7.30 Uhr in der Altstadt

Dabei spielen auch die klimatischen Bedingungen am See Genezareth eine entscheidende Rolle. Wo, wenn nicht in Israel kann man zu Beginn eines Jahres mit angenehmen Lauftemperaturen von ca. 18° C rechnen.
Zum Zweiten kommt hinzu, dass der See Genezareth knapp 200 m unter dem Meeresspiegel liegt und damit einen leicht höheren Luftdruck aufweist, als alle anderen Marathonveranstaltungen auf der Welt. Dieser etwas höhere Luftdruck steigert die Leistungsfähigkeit nochmal um einige Nuancen. Zum Dritten ist die Strecke weitgehend flach und ohne störende Ecken und Kanten. Scharfe Kurven wie von vielen Stadtmarathons bekannt gibt es so gut wie keine.

Start um 7.30 Uhr im Herzen der Altstadt

Nach dem Start auf der Hagalilstraße mitten im Herzen  der Altstadt von Tiberias geht es auf den ersten 1.000 m leicht bergab, die auf dem Rückweg nicht mehr gelaufen werden müssen, da das Ziel bereits 1,5 km vor dem Start liegt. Dementsprechend ist die Streckenführung unsymmetrisch. Der Wendepunkt auf der anderen Seeseite in der Nähe des Kibbuzes En Gev liegt nicht genau auf der Hälfte der Strecke. Die einzige nennenswerte Steigung auf der Strecke liegt am Jordan Abfluss, am südlichen Ende des Sees. Dort müssen einige Höhenmeter bewältigt werden, um über eine Brücke zu laufen. Also praktisch flach das Ganze.
Diese Besonderheiten machen den „Sea of Galilee-Marathon“ zu einem  schnellen Marathon bei dem perspektivische Bestzeiten gelaufen werden können.

2017 waren bei strahlendem Sonnenschein 1.334 Läufer und Läuferinnen vor Ort. Leider sorgte ein leicht böiger Gegenwind gerade auf dem ersten Streckenviertel des Marathons für zusätzlichen Kraftaufwand. Eine kaum für möglich gehaltene Verwunderung gab es in der Frauenwertung.  So wurde der bestehende Racerekord von der Äthiopierin Gebremaryam Gebrekid Hiwot aus Äthiopien als Gesamtsiebte im Einlauf auf erstklassige 2:25:45 h nach unten geschraubt. Für Cheforganisator Ofer Paldan war die Leistung der zierlichen Äthiopierin der Hingucker. Hatte der Macher hinter den Kulissen doch weder Arbeit noch Mühen gescheut, um die Veranstaltung im internationalen Ranking weiter nach oben zu puschen. Die Zeit der Männer blieb dagegen mit einer Siegerzeit von 2:16 h deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der Rekord von Patrick Tambooh (Frankreich) aus dem Jahre 2012 mit 2:07:30 h blieb somit unangetastet.

Streckenrekord pulverisiert: Gebremaryam Gebrekid Hiwot läuft 2:25:45 h

Die Marathonstrecke selbst ist wie erwähnt einfach und unkompliziert. Von Tiberias geht es auf einer gut ausgebauten Straße in Richtung Süden direkt am See Genezareth entlang. Auf der linken Seite liegt auf der ersten Streckenhälfte immer See, erst nach der Wende in EN Gev endet sich natürlich die Perspektive. Früh morgens lassen sich zu dieser Jahreszeit eine Reihe exotischer Vögel beobachten, die ihre Ruheplätze am Ufer verlassen und in die Umgebung zur Futtersuche fliegen. Lässt man seinen Blick weiter in die Ferne schweifen sieht man am gegenüberliegenden Ufer die mächtigen Golanhöhen aufsteigen. Nach etwa 10 km überquert man den Jordan (… und das ist sprichwörtlich zu nehmen), der sich Richtung Süden zum Toten Meer in seinem schmalen Flussbett dahin schlängelt.

Tiberias Marathon 2017

Spaß kam beim Tiberias Marathon 2017 mitunter nicht zu kurz

Ein leichte Brise, aber ansonsten herrschten in Tiberias Topbedingungen

Ein leichte Brise, aber ansonsten herrschten in Tiberias Topbedingungen

Hier befindet sich der Ort Yardenit. An dieser Stelle soll Jesus Christus von Johannes dem Täufer mit dem Wasser des Jordans getauft worden sein.
Nach weiteren Kilometern, kurz nach dem bekannten Kibbuz Maagan erreicht man einen Abzweig und die Strecke führt am entgegen gesetzten Seeufer Richtung Norden nach En Gev. Der Kibbuz eigentlich von der Landwirtschaft geprägt hat sich in der jüngeren Vergangenheit zu einem beliebten Ferienpark mit gut ausgestatteten Resorts entwickelt. Viele der auswärtigen Gäste haben hier Quartier gefunden.

Über den Jordan gelaufen…

Die Umgebung am östlichen Ufer des Sees ist wie schon erwähnt landwirtschaftlich geprägt. Links und rechts befinden sich große Bananen-Felder, die durch Netze geschützt  und bereits aus großer Entfernung zu sehen sind.

Im Weiteren kommt man an einigen Picknick-Plätzen vorbei, die zum Grillen und zum Angeln einladen. Sobald man seinen Blick nach Norden wandern lässt, erblickt man den mächtigen Berg Hermon, der gerade im Winter als langgezogene, schneebedeckte Bergkette die Szenerie beherrscht.  Der Hermon ist der höchste Berg Israels und dort lässt sich im Winter auf einigen Pisten sogar Ski fahren und rodeln.
Auf dem Weg weiter in Richtung En Gev wirft man immer wieder einen interessierten Blick zum Ufer des Sees Genezareth. Bei guter Sicht wie in diesem Jahr kann man die Silhouette Tiberias am westlichen Ufer des Sees prima erkennen.

Wendepunkt in Höhe des Kibbuz En Gev auf der Ostseite des See Genezareth

Die eigentliche Altstadt im Ortskern ist nur schwer auszumachen, aber die neuere Bebauung, die sich die angrenzenden Hügel hinaufzieht, ist aus der Entfernung mit bloßen Augen zu sehen.

Der Wendepunkt des Marathons liegt kurz vor dem Kibbuz En Gev, direkt vor einem bekannten Holiday Resort. Für Verpflegung und Getränke ist in regelmäßigen Abständen gesorgt.
Die sportlichen Aspekte des „Sea of Galilee-Marathons“ und das interessante Ambiente entlang des Pendelkurses sind nicht hoch genug zu bewerten. Beim wohl berühmtesten Marathon Israels kann man beides haben.

Die Umgebung von Tiberias lädt zum Verweilen und Urlauben ein

Die Umgebung von Tiberias lädt in jedem Fall dazu ein, noch ein paar Tage dort zu verweilen und die touristischen und christlichen Orte in Galiläa zu besuchen. Neben der Taufstelle Yardenit am Jordan sollte man den Berg der Seligpreisung, Tabigha, den Ort, an dem die Brotvermehrung stattgefunden haben soll und Kafarnaum, den Ort an dem Jesus längere Zeit gewohnt hat, besuchen.
Die Golanhöhen im Osten bieten einem die einzigartige Möglichkeit, die Weltgeschichte mit eigenen Augen zu betrachten.
Hobby-Ornithologen kommen im Hahula National Park an der Nationalstraße 90 auf ihre Kosten. Also der „Sea of Galilee-Marathon“ geizt nicht mit Reizen.

Sport überwindet Grenzen

Sport, Kultur und Freizeit – das Heilige Land hat so viel zu bieten. Für den Generalsekretär des Touristikministerium Amir Halevi steht fest: „Veranstaltungen wie der Tiberias-Marathon bringen die Menschen aus der ganzen Welt zu einem friedlichen Stelldichein zusammen. Sport überwindet die Grenzen“. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

2.Sieger über 10 km Clemens Bleistein im Plausch mit Mitautor Jörg Valentin

2.Sieger über 10 km Clemens Bleistein im Plausch mit Mitautor Jörg Valentin

Tiberias Marathon 2017

Organisierte den Tiberias Marathon 2017 perfekt: Ofer Paldan (r. von Marathon Israel)

Deutscher Topläufer Clemens Bleistein holt sich über 10 km „Silber“

Gut 20 Minuten nach den Marathonis starten in Tiberias die 10 km. Teilnehmermäßig hat die „Kurzdistanz“ den traditionsreichen Marathon schon deutlich übertroffen. Hier tummeln sich diejenigen, denen die 42,195 km noch zu lang sind oder deren Training nicht auf die ganz langen Kanten ausgerichtet ist. Mit im Pulk der Läufer ist auch ein deutscher Könner mit dabei. Der Münchener Clemens Bleistein immerhin mit einer Topbestzeit von 13:44 min über 5.000 m ausgestattet absolviert derzeit ein Praktikum in einem großen Jerusalemer Hospital. Da war es für den 27-jährigen angehenden Mediziner  eine Selbstverständlichkeit den Katzensprung aus dem „hochgelegenen“ Jerusalem ins unter dem Meeresspiegel gelegene Tiberias zu machen. „Mein Studium fordert mich derzeit schon sehr, da kann ich nur sehr eingeschränkt trainieren“, ließ sich der gebürtige Schwabe vor dem Start entlocken. Trotzdem so ganz ohne Ambitionen läuft ein Clemens Bleistein auch im Heiligen Land keinen 10er. Und so war es denn auch. Sobald der Startschuss erfolgt war, preschte der Hallen-EM-Teilnehmer von 2015 sofort mit der Konkurrenz an die Spitze. Am Ende durfte sich der zukünftige Arzt über Platz zwei in 32:13 min hinter einem israelischen Läufer mit äthiopischen Wurzeln freuen. „Der Wind hat schon mächtig auf die Zeit gedrückt. Aber es war ein tolles Gefühl hier zu laufen. Die Zuschauer und die entgegenkommenden Läufer haben uns mit ihren Anfeuerungen immer wieder unterstützt“, zog Clemens Bleistein ein zufriedenes Fazit seines Ausflugs an den See Genezareth.

Fotos: Dr. Christian Waschke 2/ Tomer: Ministerium of Tourism Israel 4

Titel: Die Äthiopierin Gebremaryam Gebrekid Hiwot lief in 2:25:45 h einen herausragenden Streckenrekord

One Comment

  1. Klaus Hubert says:

    Schöner Bericht zum Lake of Galilee Marathon. Läd ein zum Mitmachen.
    Gruß
    Klaus

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