DLV-Nachwuchstrainer Pierre Ayadi sieht positive Anzeichen für die Zukunft

17.01.2017 | Von val
DLV-Nachwuchstrainer Pierre Ayadi sieht positive Anzeichen für die Zukunft
Im Wort
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LAUFZEIT&CONDITION sprach mit dem DLV-Nachwuchstrainer für die Langstrecke, Pierre Ayadi. Der Dortmunder, der in Personalunion auch die Mittel- und Langstreckler der LG Olympia Dortmund betreut, sieht den DLV für die Zukunft besser aufgestellt und verspricht sich unter dem neuen Cheftrainer Dr. Thomas Dreißigacker eine engere Verzahnung mit der Sportwissenschaft.

 

Pierre: Beim DLV hat es ein großes Stühlerücken an den verantwortlichen Trainerpositionen gegeben? Welche Erwartungen verbindest Du mit der Neuverteilung der Aufgaben?

Das Team wurde deutlich verjüngt, viele Trainer haben in den vergangenen Jahren schon erfolgreich im Nachwuchsteam gearbeitet. Sicherlich wird der Teamgedanke in Zukunft noch mehr im Vordergrund stehen. Durch Thomas Dreißigacker, der bisher eng am IAT angebunden war erwarte ich eine noch engere Verknüpfung mit der Wissenschaft. Insgesamt soll der große Erfolg im Nachwuchsbereich Lauf mittel- und langfristig auch in den Aktivenbereich übertragen werden. Gerade in der Langstrecke wird es etwas länger dauern, das liegt in der Natur der Sache.
Pierre: Nur wenige der letztjährigen C-Kaderathleten haben jetzt die nächste Stufe erklommen und den Sprung in den B-Kader geschafft? Wo siehst Du die Ursachen für die unbefriedigende Entwicklung?
Da muss ich widersprechen, es haben auch in diesem Jahr wieder viele C-Kader im Laufbereich den Sprung in den B-Kader geschafft. Speziell in der Langstrecke männlich aber in diesem Jahr leider nicht. Das steht ganz im Gegensatz zum Vorjahr, wo vier C-Kader in der Langstrecke den Sprung in den B-Kader geschafft haben. Die Ursachen sind breit gefächert. Nicht jeder Jahrgang ist gleich stark. Die Jahre mit U20 EM sind für die Langstrecke motivierender, da die Normen leichter zu erreichen sind als in diesem Jahr für die U20 WM. Dazu kommt, dass wir mit Markus Görger JG. 98 einen starken Jungjahrgang haben, der schon im Bereich der B-Kadernorm war, aber noch ein Jahr im C-Kader bleibt und mit Mohamed Mohumed ein starker Läufer der Jahrgangs 99 nachkommt, der Vierter der U18 EM über 3.000 m geworden ist. Insgesamt ist die Entwicklung also gar nicht so unbefriedigend. Wir müssen aber weiter an den Stellschrauben Umfang und Grundschnelligkeit im Bereich der Langstrecke arbeiten.
Pierre: Viele der Athlten müssen sich zwischen Leistungsport und beruflicher Karriere entscheiden? Glaubst Du nicht auch das sich die Rahmenbedingungen noch deutlich verbessern müssen, um Talente in der Leichtathletik zu halten und weiterhin mit einer Perspektive auszustatten?
Sicherlich ist immer an den Rahmenbedingungen zu arbeiten. Man muss aber fairerweise sagen, dass es schon viele Möglichkeiten gibt mit Sportschulen und Internaten in vielen großen Städten und an Stützpunkten. Dafür müssen sich Athleten aber im wahrsten Sinne des Wortes „bewegen“ und Veränderungen in Kauf nehmen. Dann sind die Rahmenbedingungen für Schüler aber oft sehr gut. Wir haben in Dortmund seit 2 Jahren diese guten Bedingungen und ich bin von der Umsetzung und Zusammenarbeit mit dem Goethe-Gymnasium und dem Olympiastützpunkt begeistert.
Wünschenswert wäre sicherlich eine größere finanzielle Unterstützung nach der Schule durch Sponsoren oder Firmen, die bei der Berufsausbildung Leistungssport unterstützen. Da muss die Leichtathletik noch kreativer und besser werden, aber auch Chancen bekommen.
Pierre: Leistungssport fordert Entbehrungen. Da bleiben oft Freunde und Freizeit auf der Strecke. Wie gelingt es Dir in Dortmund eine doch relative große Gruppe „williger“ Jugendliche um Dich zu scharen und für den Leistungssport zu motivieren?
Die „große“ Trainingsgruppe ist oft Trainingspartern und Freund in einem. Wir erleben in der Leichtathletik so viele tolle Dinge, wie Meisterschaften, Wettkämpfe im Ausland, Pressekonferenzen, Trainingslager usw.
Das alles macht im Team und mit den Freunden zusammen viel mehr Spaß. Wer mal einen Hänger hat wird von den anderen und dem Trainer motiviert. Erfolge sind aber natürlich auch kein unwichtiger Faktor. Da spielt also das passende Training und eine gute medizinische Betreuung, zusammen mit einem funktionierenden Verein eine große Rolle.
Pierre: Abschließende Frage: Ein Blick in die Zukunft. Siehst Du jemand, der einmal in die Schuhstapfen von Deutschlands letzten Olympiasieger Dieter Baumann (Olympiasieger 1992 über 5.000 m/Barcelona) auf der Langstrecke treten könnte?
Das ist schwer. Dieter Baumann hat überragende Erfolge gefeiert und war über Jahre Weltklasse. Dazu ändert sich ja die internationale Spitze ständig, das ist ein interessanter Prozess. Wir werden kreativ sein und mit den größten deutschen Talenten arbeiten. Mit etwas Glück ist dann auch eine ganz große Überraschung möglich.

Danke!

Foto / DLV: Nachwuchskader Mittel- und Langstrecke im Wintertrainingslager in Portugal. Ganz links DLV-Trainer Pierre Ayadi.

Mit DLV-Nachwuchstrainer Pierre Ayadi sprach LAUFZEIT&CONDITION-Redakteur Jörg Valentin

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