Paderborn: Kimeli läuft 10 km Rekord

17.04.2017 | Von val
Paderborn: Kimeli läuft 10 km Rekord
Halbmarathon/10 km
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Fest in afrikanischer Hand waren die ersten Plätze bei der 71. Auflage des Paderborner Osterlaufs. In der Domstadt gingen auf dem Masternplatz insgesamt 11.659 Teilnehmer auf die Strecke um das Sportzentrum. Mit zwei neuen 10-km-Streckenrekorden wurde Geschichte geschrieben.

Von Helmut Schaake

Zwar zeigte sich der April nicht gerade frühlingshaft und zudem wenig zuschauerfreundlich, dennoch erwiesen sich die trüben, teilweise regnerischen Bedingungen für viele Läufer überraschend leistungsfördernd, was nicht nur die neuen 10-km-Streckenrekorde bei Frauen und Männern, sondern auch die vielen Bestzeiten dokumentierten.

Trotz widriger Wetterumstände macht Paderborn von sich reden

Der älteste deutsche Straßenlauf, der Paderborner Osterlauf,  machte bei seiner nunmehr schon 71.Auflage seinem Ruf als schnellster Deutscher Straßenlauf alle Ehre und schrieb mit zwei neuen 10-km-Streckenrekorden Geschichte. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen konnten die Macher um Wolfgang Krenz, Präsident SC Grün-Weiß Paderborn, der wieder auf ein großes Helferteam vertrauen konnte, zwei großartige neue Streckenrekorde verzeichnen. Bei den Männern verbesserte der junge Kenianer Benard Kimeli bei seinem ersten Europaauftritt den Uralt-Streckenrekord, den seit 1993 Carsten Eich mit 27:47 min (Deutscher Rekord) hielt, um erstaunliche 29 sec auf sensationelle 27:18 min, was zugleich auch Jahresweltbestzeit bedeutete.

Paderborner Osterlauf: Streckenrekord Benard Kimeli KEN

Paderborner Osterlauf: Streckenrekord durch Benard Kimeli (KEN)

Dahinter jubelten weitere vier Kenianer. Auf dem Silberplatz, allerdings schon mit 55 sec  Rückstand, kam Benard Kipkemoi nach 28:13 min, weitere 5 Sekunden auf Platz drei lief Emmanuel Kipchirch Kipkemoie ins Ziel. Unter den Top-Ten auf Rang 7 als schnellster Deutscher kam der 23-jährige Hindernisspezialist Philipp Reinhardt (LC Jena), der seine Bestzeit auf 29:26 min hochschraubte. Platz 11 erkämpfte sich Jens Nerkamp (PSV Grün-Weiß Kassel), ebenfalls in Bestzeit mit 29:38 min. Erstmals unter der 30-Minuten-Marke blieben der 20-jährige Lukas Eisele (LG Filder ) in 29:52 min und Philipp Baar (ART Düsseldorf), der erst eine Woche zuvor in Hannover Deutscher Halbmarathonmeister geworden war, mit  29:55 min auf Platz 13.

Da musste sogar der sportliche Leiter Christoph Kopp, der einmal mehr als Athleten Zusammensteller ein glückliches Händchen hatte, das damit im Vorfeld keiner rechnen konnte. Nach dem ersten, viel zu langsamen Kilometer in 2:55 min übernahm nach 3 km der spätere neue Rekordhalter das Heft selbst in die Hand und diktierte das Tempo. Spätestens nach 5 km in 13:47 min begann Benard Kimeli ein „Flug“ über die regennassen  Straßen.  Der 22-jährige  Überraschungssieger wurde immer schneller und zerlegte bei seinem ersten Auftritt in Europa eindrucksvoll die Spitzengruppe.  Der Ausreißer siegte am Ende mit mehr als 300 m Vorsprung mit 55 sec vor seinem Landsmann Benard Kipkemoi  mit 28:13 min.

Aber auch die Streckenbestzeit bei den Frauen gehört nach 15 Jahren der Vergangenheit an. 2002 lief hier die Kenianerin Linah Cheruiyot 31:19 min. Mit gewohnt fachkundiger Stimme konnte  der ehemalige ZDF-Sportchef und langjährige Osterlauf Moderator Wolf-Dieter Poschmann bei den Frauen die Kenianerin Gladys Kimaina im Ziel nach 31:15 min begeistert empfangen. Den Silberrang ging mit acht Sekunden Rückstand an die Äthiopierin Sofiya Shemsu Chegen 31:24 min, auf Rang drei folgte Naom Jebet aus Kenia in 31:49 min.

Neue Streckenrekordlerin: Gladys Kimaina (KEN)

Neue Streckenrekordlerin: Gladys Kimaina (KEN)

Beste Deutsche war auf Rang 10 hinter der ostafrikanischen Phalanx (sieben  Kenianerinnen und zwei aus Äthiopien) Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) in 33:42 min. Nicht ganz zufrieden mit der Zeit. Sie hatte den Druck, dass sie, obwohl sie die WM-Norm für den London Marathon schon in der Tasche hat, auf Wunsch des DLV noch einen Leistungsnachweis bringen muss. Beim 37.Berlin Halbmarathon hatte sie mit 1:13:25 h die geforderte Zeit von 1:13:15 h um 10 sec, also um noch nicht einmal 30 m, verpasst.

Schnellste Deutsche: Katharina Heinig und HM-Meister Philipp Baar

Schnellste Deutsche: Katharina Heinig und HM-Meister Philipp Baar

Nur 7 sec dahinter lief ein starkes Duo vom LT Haspa Marathon Hamburg ins Ziel. Hindernisläuferin Jana Sussmann, die letztjährige Deutsche 10-km- Mannschaftsmeisterin von Hamburg (34:20 min.) erzielte 33:42 min, kurz dahinter verbesserte Tabea Themann, die auf der Mittelstrecke zu Hause ist, ihre letztjährige 10er Zeit vom Herbst aus Hamburg von 35:26 min auf starke 33:50 min.

Nachwuchsläufer-Cup

Der Deutsche Nachwuchsläufer-Cup 2017 unter der Schirmherrschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit freundlicher Unterstützung von German Road Races (GRR) ist eine neue Serie für deutsche Nachwuchsläufer der Altersklassen U18, U20 und U23.  Zur Cupwertung gehören fünf ausgewählte nationale Lauf-Events sowie die Deutschen Meisterschaften im 10-km-Straßenlauf.

Die „Jungen Wilden“ zeigten bei dem neu ins Leben gerufenen Nachwuchsläufer-Cup  schnelle Endzeiten. So verbuchte U23 Sieger Lukas  Eisele (LG Filder) eine Bestzeit  von 29:54 min. Bei der U20 zeigte der Deutsche Crosslaufmeister Markus Görger (LAC Freiburg) auch auf der Straße in Bestzeit von 30:34 min sein Lauftalent, ebenso U18 Sieger Elias Schreml mit persönlicher Bestzeit von 31:04 min, der den Deutschen Rekord in der Altersklasse nur um läppische 4 sec verpasste. Dem nicht nach standen die jungen Läuferinnen. Hier siegte in der U20 Mittelstrecklerin Patricia de Graat (LG Olympia Dortmund) in 37:32 min gefolgt von Lena Ritzel (VfL Marburg), die sich um über 40 sec auf vielversprechende 37:43 min steigerte. Bei der U18 gewann Sophie Kretschmer (Ascherleben) wie beim ersten Lauf in Berlin  in 38:40 min. Die ersten drei im Nachwuchs-Cup U23-U20 und U18 erhielten lukrative Siegprämien.

Schnellster Deutscher: Philipp Reinhardt (LC Jena)

Schnellster Deutscher: Philipp Reinhardt (LC Jena)

Im Halbmarathon nur 1.871 Starter

Nach dem glanzvollen 10er stand in diesem Jahr der Halbmarathon mit seinen Leistungen nur im Schatten. Dafür gibt es mehrere Gründe zu nennen. Der Wettbewerb war zu dicht am Halbmarathon von Berlin und nur 6 Tage nach den Deutschen Meisterschaften von Hannover. Da war die Zeitspanne zur Regeneration einfach für viele Läufer zu kurz. Die ersten vier Plätze gingen standesgemäß bei den Männern und Frauen nach Kenia Patrick Kimeli siegte in 62:28 min, bei den Frauen konnte Tabitha Wambui Gichia die im Ziel nach 70:08 min die Arme hochreißen.

Prominentester Läuferin war allerdings Eisschnelllauf-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin Claudia Pechstein aus Berlin, die auf „Rollen“ bei den integrierten Deutschen Speedskating-Meisterschaften als Gesamtvierte und 1. der W40 für Schlagzeilen nicht nur im Vorfeld sorgte. Die Teilnehmerzahlen des Vorjahres konnte man in Paderborn diesmal nicht ganz erreichen. Vielleicht war auch das bescheidene Wetter ein Grund. Insgesamt  gingen aber 11.659 Teilnehmer an den Start. Schon Wochen vorher war allerdings der 10-km-Lauf mit 4.634 Startern ausgebucht. Über 5 km starteten 2.832, und nur 1.871 über die Halbmarathondistanz.

(Mehr zum Paderborner Osterlauf lest Ihr in der nächsten Ausgabe von LAUFZEIT&CONDITION)

Fotos: Helmut Schaake 3 / Matthias Behrens 2

Titel: Weltjahresbestzeit und Streckenrekord durch Benard Kimeli

 

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