Andreas Menz der etwas andere Sportmoderator

18.05.2017 | Von val
Andreas Menz der etwas andere Sportmoderator
Zur Person
0

 

Andreas Menz gehört zu den gefragtesten Laufsportmoderatoren Deutschlands. Für LAUFZEIT&CONDITION Anlass den Essener Eventmoderator einmal zu seiner anspruchsvollen Tätigkeit als Unterhalter, Moderator und Fachkenner der Laufsportszenerie zu befragen.

 

Andreas, wir kennen uns schon lange. Sind einst bei Wettkämpfen noch gegeneinander gelaufen. Wie kommt man dazu die Laufschuhe gegen die Moderation zu tauschen?

Antwort: (lacht) Ja, stimmt. Meist warst du aber kurz nach dem Start schon enteilt. Aber daran kann ich mich auch noch erinnern.

Also, so ganz getauscht habe ich ja nicht, ich laufe selber immer noch aber deutlich weniger wie zu ambitionierten Zeiten. Damals war die Laufszene noch relativ überschaubar und man kannte sich.  Darum wurde ich von meinem damaligen Arbeitgeber Jörg Bunert (Gründer der Laufsport Bunert Laufläden) gefragt ob ich bei einem Volkslauf in Duisburg am Biegerpark nicht den langjährigen Sprecher ersetzen wolle da dieser verhindert war.

Ich war zuerst etwas verunsichert, aber Jörg meinte „Mach doch einfach mal. Du kennst alle Leute und auf den Mund gefallen bist du auch nicht“. Durch die Arbeit im Handel, wo du jeden Tag Läufer berätst, war es wirklich so dass man offen auf Menschen zugehen gelernt hatte und die scheu verliert. Aber öffentlich zu reden ist ganz was anderes.

Wie auch immer. Ich scheine meinen Job gut gemacht zu haben und hatte auch Spaß (war auch ein wenig stolz) und so kam einige Monate später der nächste Veranstalter der beim Lauf in Duisburg vor Ort war. So wurde die ganze Sache immer dynamischer im Laufe der Jahre. Später vertraute man mir auch größere Veranstaltungen wie den Rhein Ruhr Marathon an. Spätestens ab da war ich wohl akzeptiert als Moderator.

Andreas, Du hast dir in den letzten Jahren einen außerordentlich guten Ruf in der Laufsportszene erworben. Du bist das ganze Jahr gebucht, reist dabei kreuz und quer durch die Republik. Was zeichnet aus deiner Sicht einen guten Moderator aus?

Antwort: Na ja, gerade was die Sport- und Laufszene angeht gab es doch einen Wandel. Früher waren ausschließlich Läufer am Start eines Volks- oder Straßenlaufes. Heute definiere ich gerne die meisten Leute des Starterfeldes als „sportliche Menschen die gerne laufen“. Sie haben sich nicht auf eine Sportart festgelegt und sind daher keine reinen Läufer wie im früheren Sinne, die ürsprünglichen Wettkampfläufer werden immer weniger.

Das heißt aber auch das du dich als Moderator im Laufe der Jahre entwickeln musstest um dich den Veränderungen der Szene anzupassen. Die Sportler brauchen eine andere „Ansprache“ bei einer Veranstaltung wie ich es vielleicht in meinen ersten Moderationsjahren getan habe.

Ein guter Moderator, das „gut“ liegt ja immer im Auge des Zuschauers/Zuhörers und ist subjektiv, sollte erkennen können um welche Art von Veranstaltung es sich handelt. Sind es z.B. Fun Läufe und Firmenläufe, steht bei den Teilnehmern der Spaß im Vordergrund. Hier solltest du als Moderator den Leuten den Spaß auch vermitteln, dennoch manchmal journalistisch seriös sein. Blankes Gegröhle ist keine Moderation. Dafür brauchst du auch keinen richtigen Moderator. Es kommt hierbei auf die Mischung an. Du sollst Leistungen anerkennen und niemanden lächerlich machen.

Zum anderen hast du Meisterschaften oder Leichtathletik Meetings bei denen du kompetenten Sportjournalismus anbieten musst. Hier ist es wichtig Hintergrundwissen zum Sport aber auch zum Athleten zu haben. Als ehemaliger Leichtathlet aus der Szene, lebe ich von meinen Kontakten zum Sportler um hier und da an Insider-Infos  zu kommen, um alle die beim Event dabei sind umfassend zu Informieren. Doch Vorsicht, private Sachen bleiben auch privat. Ich meine hier mehr Trainingsstand, Wettkampfplanung etc. also alles was die gezeigte  Leistung greifbarer für den Zuschauer macht.

Welche Empfehlung gibst Du jungen Sprechtalenten, die sich für das Moderatorenhandwerk interessieren?

Antwort: Machen, machen, machen. Diese Frage in kürze zu beantworten würde nicht funktionieren.  Sie sollten jede Möglichkeit, egal wie klein sie ist nutzen um Praxis zu bekommen. Wenn dich keiner kennt, bietet dir auch keiner die Moderation z.B. eines Berlin Marathon an. Versuche den anderen Moderatoren, die schon lange dabei sind, auf die Performance zu schauen. Hole dir Inspirationen dabei, sei aber lieber ein gutes Original als eine schlechte Kopie. Den Stil eines anderen zu kopieren funktioniert meist nicht.

Manche ältere Moderatoren sind aber auch gerne Mentoren für Nachwuchsleute. Auch ich habe aktuell eine Nachwuchsjournalistin, der ich gerne bei Fragen weiterhelfe oder ggf. auch als Türöffner fungiere.  Nachwuchsjournalisten bekommen i.s. Theorie sicherlich eine gute Ausbildung, aber es fehlt die Erfahrung des realen Lebens als Moderator.  Ich bezeichne das gerne als „Universitätsklug vs. Straßenschlau“. Du brauchst beide Seiten um richtig gut zu sein. Das ist aber nicht immer so, weil wie du ja weißt bin ich ja auch ein Seiteneinsteiger.

Aber auch ich hatte neben meinem Entdecker Jörg Bunert, Mentoren die mittlerweile zu Freunden geworden sind. Rafael Treite aus Esslingen (u.a. Hamburg Marathon Moderator 2016) ist einer von Ihnen. Rafael hat mir gezeigt wie man das Leben als selbstständiger Profi – Moderator strukturiert. Es ändert sich doch viel vom Freiberufler zum Selbstständigen. Auch sonst ist er sehr Inspirierend gewesen.

An Wochenende einen Wettkampf, manchmal auch zwei. Wie lässt sich Familie, Beruf und eigene sportlichen Ambitionen miteinander verbinden?

Antwort: Puh, ja das ist nicht einfach. Du musst schauen das du deinen Wochenkalender nimmst, strukturierst, aber auch deine Zeitinseln nicht vergisst wo du einen Termin mit dir selber hast. Persönliche Qualitätszeit. Das ist meine Trainingszeit. Die ist aktuell sehr variabel. Mal wie ein Profi trainieren – mal wie ein Breitensportler und das Privatleben soll auch nicht darunter leiden.  Es ist immer eine Gradwanderung.

Mein Leben ist in vielerlei Hinsicht extrem. Ich liebe ja u.a. die Recherche zu einer Moderation und betreibe diese sehr exzessiv. Wo andere aufhören zu suchen, fange ich erst an. Denn je mehr Infos du hast, umso besser kannst du deine Performance aufbauen. Z.B. war meine Vorbereitung auf die Cross-DM in Löningen knapp 2 Wochen. Das ist die Zeit wo ich alles zusammentrage.   Jeden Tag, mal mehr mal weniger. Am Schluss muss das Ergebnis stimmen.

Das gilt auch für meine sportlichen Ambitionen. Laufen ist nur noch Ausgleich und Leidenschaft. In dem Fall zum Radsport. (lacht) Früher war es anders herum aber nach 28 Laufjahren hatte ich keine Ziele mehr, darum habe ich gewechselt. Nicht hilfreich, wenn man weiß das der Radsport und dessen Training deutlich zeitintensiver ist als das Lauftraining. Gerade wenn man Ziele bei Radmarathons oder Ultrastrecken hat.  Aber es würde mir was fehlen, wenn ich mir diese Ziele nicht mehr setze. Ich habe es einige Jahre ohne versucht – hat nicht funktioniert. (schmunzelt)

Insgesamt muss ich aber sagen bin ich extrem dankbar bin, für das Leben welches ich aktuell führen darf. Natürlich muss man manchmal Abstriche machen, aber das nehme ich in kauf. Ich arbeite manchmal zu den Zeiten wo andere Feierabend haben oder sogar schon/noch schlafen, kann dann aber trainieren wenn andere arbeiten. Es gleicht sich aus.

 Zuletzt durfte ich Dir beim Norder Citylauf attestieren? Den „einen oder anderen Ball“ haben wir uns da zugespielt. Moderierst Du eigentlich gerne mit Partnern oder örtlichen Unterstützern? Ist es nicht manchmal eher hemmend als belebend einen „Co-Moderator“ an seiner Seite zu haben.

Antwort: Jetzt muss man dazu sagen das wir uns sicher ein Vierteljahrhundert kennen. Von daher war es eine Freude für mich, dich an meiner Seite zu haben, zumal du auch als „local“ direkt mit der Szene in Ostfriesland verwurzelt bist.

Aber auch hier gab es einen Wandel. Große Veranstaltungen und Events erfordern einfach mehr und mehr eine Doppelmoderation. So wird es dynamischer und interessanter fürs Publikum und wenn es dann noch ein Kollege aus der Region ist, macht es die Sache sogar noch charmanter. Wichtig ist halt immer dabei, dass die beiden Moderatoren sich selber nicht zu wichtig nehmen. Übertragen vom Spruch der Fußball-Nationalmannschaft könnte man auch sagen: „Die Veranstaltung ist der Star, nicht der Moderator“. Wenn dann auch noch beide nicht die Ambition haben deutlich mehr Worte als der Kollege sprechen zu müssen, um sich als Alpha-Tier zu beweisen, dann hat das Event schon gewonnen. Meist klappt das auch. Ich habe sogar eine Hand voll Kollegen mit denen ich schon lange zusammenarbeite, wo wir uns blind verstehen und nur über Augenkontakt wissen wann der andere etwas sagen will und du deinen Satz beenden solltest. Du siehst, ich bin ein Fan von Doppelmoderationen.

Andreas Menz in seinem Element. Foto: privat

Andreas Menz in seinem Element. Foto: privat

Andreas Menz ist im Remscheider Stadtteil Lüttringhausen (Bergisches Land/NRW) aufgewachsen und hatte seit frühester Jugend mehrere Sportarten in Vereinen ausprobiert. Über Tischtennis und Geräteturnen kam er zur Fußball Jugend des BVL Remscheid (heute FC Remscheid). Dort spielte er bis zur A-Jugend in der höchsten westdeutschen Jugendliga, bevor er über einen Lauftreff zur Leichtathletik kam. Mit seinen Vereinen Reinshagener TB, PSV Wuppertal, LLG St.Augustin, Ohligser TV und Tusem Essen konnte er regionale und überregionale Erfolge feiern. Als Straßenspezialist kann er Bestleistungen von 16:16 min (5 km) und 33:07 min (10 km) vorweisen. Seine 26 Marathonläufe/Ultraläufe sah er meist als Spaß an, wobei Ihm hier eine 2:47:35 h als beste Leistung gelang.

Beruflich ist der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann sehr vielseitig. Neben seiner damaligen Anstellung bei Laufsport Bunert studierte er Management im Sportmarketing am IST in Düsseldorf. Als Geschäftsführer des Bunert Ladens in Wuppertal entschloss er sich nach 12 Jahren als freiberuflicher Moderator den Weg in die Selbstständigkeit einzuschlagen. Seit 2015 ist er als Moderationsprofi – nicht nur im Sportbereich – erfolgreich und frei buchbar. 

Aus dem Leben des Sport- und Eventmoderators Andreas Menz

Andreas Menz erzählt wie er zur der anspruchsvollen Tätigkeit eines Sportmoderators kam und was er als Eventmoderator alles beachten und können muss.
Seine Devise dabei:
„Ich bevorzuge bei meinen Eventeinsätzen die sportliche Berichterstattung.
Sicherlich heize auch ich die Stimmung an der Strecke an, wenn die Situation es erfordert, allerdings distanziere ich mich von blankem `Ballermanngegröle´.“
„Ich denke so manche Veranstaltung hätte mehr Potential wahrgenommen zu werden , wenn ein Moderator dem Event den letzten Schliff verpasst.“

DAS INTERVIEW MIT ANDREAS MENZ FÜHRTE JÖRG VALENTIN

 

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen