NEU BEI UNS: Die Kolumne Andreas Menz

01.07.2017 | Von val
NEU BEI UNS: Die Kolumne Andreas Menz
Im Wort
0

 

In den letzten Wochen ging mir des Öfteren ein Begriff durch den Kopf: „Eigenverantwortung“. Als Start zu diesem Artikel habe ich „Herr Wikipedia „ gefragt wie man diesen definiert. Dieser sagt:

Als Eigenverantwortung  bezeichnet man die Möglichkeit, die Fähigkeit, die Bereitschaft und die Pflicht, für das eigene Handeln, Reden und Unterlassen Verantwortung zu tragen. Das bedeutet, dass man für die eigenen Taten einsteht und die Konsequenzen dafür trägt, wie es in der Redewendung „sein Schicksal in die eigene Hand nehmen“ zum Ausdruck kommt.

o.k. – soweit so gut. Dieser Begriff schoss mir nach so manchem Laufevent im Juni wieder in den Kopf.  WARUM ? Viele Läufer schlagen verbal auf einen Veranstalter ein, weil dieser zu wenig Getränke auf der Strecke angeboten hatte. Läufer kollabierten, hatten Durst auf der Strecke und danach. Es war warm an so manchem Veranstaltungstag in diesem Sommer. Sachverhalt klar, verurteilt im Namen der Läuferschaar.

Der Veranstalter räumt Fehler ein, und die Läufer hauen weiter drauf. Er ist ja der Verantwortliche. Er hat dafür Sorge zu tragen das der sportliche Erfolg mit Erlebnis garantiert wird. Dafür hat man ja schließlich bezahlt, dafür möchte man glänzen. Er ist verantwortlich dafür Sorge zu tragen, dass der Sportlerkörper unversehrt ins Ziel getragen wird. Wir überlassen anderen die Verantwortung für Geld.

Aber wo ist die Eigenverantwortung?

Haben einige dieser Sportler schon einmal daran gedacht dass sie selber Herr über ihren Körper sind, und vielleicht auch bleiben wollen? Ich selber habe nicht den Mut meinen Körper und deren Unversehrtheit jemand anderem zu übertragen – auch nicht für Geld. Ich sorge selber vor. Plane, mache, tue.  Die letzte Verantwortung liegt also bei mir.

Aber wieso geben viele Sportler aus dem Hobbybereich Ihre Eigenverantwortung scheinbar an der Garderobe ab? Überlassen sie anderen getreu dem Motto: „ Pass doch mal darauf auf…, damit ich glänzen kann“

Ich denke dass die Medien einen bedeutenden Einfluss auf dieses Denken haben. Sport ist trendy, Sport definiert Erfolg, man ist dabei weil es die anderen auch sind, wir wollen ja den Anschluss nicht verlieren und als Spaßbremse dar stehen. Zeitungen gaukeln uns vor mit immer weniger Training noch effektiver zu trainieren und Top Leistungen bringen zu können.  Strongman, Tough Mudder, Ironman, Marathon…. “everyone’s a winner baby ,that’s the truth” – wusste schon Hot Chocolate 1978.

Alles ist möglich. Jeder kann es. Mount Everest besteigen? Klar! Du zahlst eine Gebühr damit du Ihn besteigen darfst und heuerst ein paar Sherpas an, die dir deinen Körper bis auf den Gipfel drücken. (Kostet dann ein bisschen mehr, aber hey, du warst oben…) Bei nicht gefallen gibt es (hierbei) kein Geld zurück.

Verpflegungsstände sind zumeist ausreichend mit einer gesunden Vielfalt bestückt

Verpflegungsstände sind zumeist ausreichend vorhanden und mit einer gesunden Vielfalt bestückt

Anders ist es in der Laufschuhbranche. Schau doch mal heutzutage in einen Laufladen. Schuh gekauft mit Beratung. Später, „nee…fühlt sich nicht so gut an“ …merkt man nach einigen Monaten und dutzenden Test Lauf-Einheiten im Wald. Aber kann man ja zurückgeben, war ja teuer. „Habe ich im Laden nicht gemerkt, die ersten Läufe waren ja auch noch ganz gut, aber dann…!

Wo ist die Eigenverantwortung?

Schlechte Ernährung – „Ja nee. Ich will ja auch Leben wenn ich schon so viel arbeite, und wenn es nicht mehr so gut geht gibt es ja Vitaminpillen oder der Arzt soll helfen, kriegt ja auch Geld dafür.“ Und wehe er kann nicht helfen, gibt es auch wieder Schimpf und Schande. Er ist ja Verantwortlich für das was er verschreibt.

Zurück zu unserem Laufbeispiel: Ganz klar, einem Veranstalter sollten nicht die Getränke ausgehen -egal bei welchem Wetter. Aber Eigenverantwortung wäre gewesen, selber vorzusorgen. Getränkegürtel mitnehmen, es soll warm werden. Tempo anpassen, es soll warm werden, da kann man keine Bestleistungen erzielen.

Wenn man sieht wie manche Läufer schon nach 5 km im beinahe Gehtempo am pumpen waren, frage ich mich ob ihnen ein weiterer Becher Wasser geholfen hätte. Mit mehr Training und etwas EIGENVERANTWORTUNG für sich und den eigenen Körper hätte man sicherlich mehr erreicht. Musste es denn gerade ein Halbmarathon sein, hätte ein 10-km Lauf nicht auch gereicht?

IMG_6991 web 2

Ein gut bestückter Verpflegungsstand

Nun will ich nicht den Oberlehrer spielen (zumindest nicht immer…)  ohne selber ein praktisches Beispiel zu bringen. Ich laufe nunmehr seit 1989 (28 Jahre), die ersten Wettkämpfe die ich bestritt waren 10 km Läufe, ab und an mal einen Halbmarathon. Zu dieser Zeit konntest du Getränkestellen auf der Strecke bei einem 10 km Lauf suchen, wenn du Glück hattest war bei einem Halbmarathon einer bei der Hälfte. Kollabierte Läufer fandest du im Prinzip bei fast keinem Lauf (und wenn dann war es der zweite der den Spurt gegen den Sieger verloren hatte), Gemecker und Beschwerden das es zu wenig (ich spreche von zu wenig!!!) Getränke gab`s nur hinter vorgehaltener Hand. (Sprach man nicht darüber, wäre ein Zeichen von Schwäche gegenüber der Konkurrenz aus dem eigenen Verein)

Warum?

Die Menschen damals waren auch aus Fleisch und Blut, hatten zwei Beine und zwei Arme (kann auch Ausnahmen gegeben haben). Genau wie die Menschen heute. Nur – sie trainierten eigenverantwortlich, bereiteten sich auch so vor, ganz seriös und wussten auf was sie sich einließen – waren sogar schnell (im Schnitt alle deutlich schneller wie die Laufszene heute). Marathonläufe wurden nach 4:30 h geschlossen. WARUM?  Na, weil dann alle im Ziel waren. Die hatten sich seriös vorbereitet auf das was sie vor hatten. Hatten Eigenverantwortung beweisen.

Und noch was…damals gab es keine Garderoben wo man die Eigenverantwortung abgeben konnte.

In diesem Sinne

„Glück auf“

Autor: Andreas Menz

Der bekannte und beliebte Laufsportmoderator aus Essen wird an dieser Stelle in unregelmäßigem Abstand seine ganz eigene Sicht der Dinge zu den alltäglichen Problemen des Laufsports zum Besten geben.

Fotos: Jörg Valentin

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen